Montag, 24. Februar 2014

Wie sich Griechenland krank spart

http://www.stern.de/politik/ausland/malaria-totgeburten-hiv-wie-sich-griechenland-krank-spart-2092027.html

Wie sich Griechenland krank spart

22. Februar 2014, 17:45 Uhr



Massive Kürzungen im griechischen Gesundheitssystem haben zu erschreckenden Entwicklungen geführt. Fälle von Tuberkulose und Malaria werden gemeldet, die Kindersterblichkeit hat sich deutlich erhöht. Von Oliver Noffke

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Griechenland, Sparkurs, Neugeborene, Kindersterblichkeit
Alte, Schwache, Neugeborene und Risikogruppen leiden besonders unter den Einsparungen im griechischen Gesundheitssystem© 

Zwei Mal hat die Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und dem Internationalen Währungsfond (IWF) der griechischen Regierung Hilfspakete zukommen lassen. Insgesamt etwa 240 Milliarden Euro für das Versprechen der Griechen, endlich den desolaten Staatshaushalt in den Griff zu bekommen. Besonders auf der Ausgabenseite sollte die Regierung unnötigen Ballast abwerfen.
Die Folgen der erzwungenen Sparpolitik: Mit Übereifer sei die Kostenreduzierung im Gesundheitssystem vonstatten gegangen, lautet das Ergebnis einer Studie der University of Cambridge in London. Mittlerweile werden höchstens sechs Prozent des griechischen Bruttoinlandprodukts im Gesundheitssystem ausgegeben. Kein anderes Land, das schon vor 2004 EU-Mitglied war, zeigt einen so niedrigen Wert auf. Laut der Studie wurde so radikal gekürzt, dass die direkten Folgen für den Gesundheitszustand der Bevölkerung offensichtlich seien.

Die Rückkehr der Malaria

Budgets für Krankenhäuser wurden seit 2008 um mehr als ein Viertel reduziert, sodass besonders in ländlichen Gegenden medizinisches Gerät und Medikamente knapp sind. Durch mehrere Gesetze wurden die Kosten für Behandlungen zu einem großen Teil an die Patienten übertragen. Viele müssten nun die Kosten für ihre Medikamente auslegen und später von ihren Versicherungen zurückfordern. Beides trifft laut der Studie besonders alte Menschen. Mehr als 800.000 Menschen stünden zudem heute ganz ohne Versicherung da.
Besonders bei der Drogenprävention sind die Auswirkungen des Sparkurses deutlich. Allein zwischen 2009 und 2010 wurden ein Drittel der sozialen Projekte in diesem Bereich gestrichen. Streetworker verteilen seitdem weniger saubere Spritzen und deutlich weniger Kondome. Die Folgen sind in der Statistik einfach zu erkennen: Infizierten sich im Jahr 2009 nach offiziellen Angaben noch 15 drogenabhängige Menschen mit HIV, waren es drei Jahre später 484. Sexuell übertragene HIV-Neuinfektionen haben sich im gleichen Zeitraum stabil oder sogar leicht rückläufig entwickelt. Die Autoren der Studie befürchten zudem, dass es deutlich mehr Fälle von Tuberkulose in dieser Risikogruppe gibt. Nachdem Programme zur Abtötung von Moskitos radikal gekürzt worden sind, gab es erstmals seit 40 Jahren wieder Malaria-Übertragungen vor Ort.

Beispiel an Spanien nehmen

Die indirekten Folgen des Sparkurses sind ebenso frappierend. Höhere Arbeitslosigkeit und ein generell sinkender Lebensstandard hätten ein höheres Aufkommen an psychischen Erkrankungen zur Folge. Mit der größeren Anzahl an Betroffenen kann das griechische Gesundheitssystem jedoch nicht mehr mithalten. Im Gegenteil: Auch hier wurden Förderungen und Sprechzeiten gekürzt. Zwischen 2007 und 2011 gab es in Griechenland 45 Prozent mehr Selbstmorde.
Erschreckend sind die Zahlen, die der Bericht zur gesundheitlichen Entwicklung bei Neugeborenen aufzeigt. Seit Beginn der Krise gibt es in Griechenland 19 Prozent mehr untergewichtige Babys, eine Zunahme von Totgeburten um 21 Prozent und die Sterblichkeitsrate von Neugeborenen ist insgesamt um 43 Prozent gestiegen.
Statt das Problem zu erkennen, sei es sowohl von der griechischen Regierung als auch von der Troika ignoriert worden, schließen die Autoren der Studie. In der Vergangenheit hätten Länder wie Finnland oder Island gezeigt, dass Staaten massiv Kosten einsparen könnten, ohne das Gesundheitssystem zu durchlöchern und die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu verschlechtern. Die griechische Regierung tue gut daran, sich ein Beispiel an Spanien zu nehmen, das die Forderungen des IWF nach Kürzungen im Gesundheitssystem und im sozialen Bereich an vielen Stellen ignoriert habe.

Freitag, 21. Februar 2014

Malaria bedroht Mehrheit der Menschen in Afrika südlich der Sahara

http://www.zeit.de/news/2014-02/20/wissenschaft-malaria-bedroht-mehrheit-der-menschen-in-afrika-suedlich-der-sahara-20150404

WISSENSCHAFTMalaria bedroht Mehrheit der Menschen in Afrika südlich der Sahara


Paris (AFP) Trotz der Fortschritte im Kampf gegen die Malaria lebt immer noch mehr als die Hälfte der Menschen im Afrika südlich der Sahara in Gebieten mit einem bedeutenden Infektionsrisiko. 57 Prozent der Bewohner leben in Gebieten mit einem mittleren oder hohen Malaria-Risiko, wie es in einer am Donnerstag in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten Studie heißt. 

http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5h17TLYqdrAdINQJMGf8W5seyQ_aQ?docId=1be228b9-cb43-4dff-a543-e5ea4182b745

Malaria bedroht Mehrheit der Menschen südlich der Sahara
(AFP) – Vor 1 Tag  















Der Malaria-Erreger wird durch Stechmücken übertragen (Archiv)























Paris — Trotz der Fortschritte im Kampf gegen die Malaria lebt immer noch mehr als die Hälfte der Menschen im Afrika südlich der Sahara in Gebieten mit einem bedeutenden Infektionsrisiko. 57 Prozent der Bewohner leben in Gebieten mit einem mittleren oder hohen Malaria-Risiko, wie es in einer in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten Studie heißt.
Die größte Gefahr konzentriert sich der Studie zufolge auf zehn Staaten: Burkina Faso, die Demokratische Republik Kongo, die Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Mali, Nigeria, Mosambik, Togo und Uganda. Dort leben 87 Prozent der Menschen, die in Gebieten mit mittlerem oder hohem Malaria-Risiko leben.
Die Forscher werteten tausende Studien zu 44 afrikanischen Staaten über den Zeitraum 2000 bis 2010 aus. Sie wollten herausfinden, wie effektiv der Kampf gegen die Malaria seit dem Beginn der Kampagne "Roll Back Malaria" (Malaria zurückdrängen) im Jahr 1998 verlief. In den Jahren nach Beginn der Kampagne wurden die Mittel zur Bekämpfung der Malaria stark aufgestockt, von 100 Millionen Dollar (73 Millionen Euro) im Jahr 2000 auf zuletzt rund zwei Milliarden Dollar (1,46 Milliarden Euro).
Die Forscher unterteilten die untersuchten Gebiete in drei Risiko-Gruppen: hohes Risiko bei einen Ansteckungsgefahr von mehr als 50 Prozent, mittleres Risiko bei einer Ansteckungsgefahr von zehn bis 50 Prozent und niedriges Risiko bei einer Ansteckungsgefahr von unter zehn Prozent.
Zwischen 2000 und 2010 sank die Zahl der Menschen, die in Hochrisikogebieten lebten, von 219 Millionen auf 184 Millionen. Dagegen stieg die Zahl der Menschen, die in mittleren Risikogebieten lebten, von 179 auf 280 Millionen an. Die Zahl der Menschen, die in Gebieten mit einem nur niedrigen Infektionsrisiko lebten, stieg von 131 Millionen auf 219 Millionen. Die Infektionen von Kindern gingen in dem Zeitraum in 40 der 44 untersuchten Staaten zurück.
Die Forscher zogen insgesamt eine gemischte Bilanz. Die Malaria-Übertragung in von jeher betroffenen Gebieten habe beträchtlich verringert werden können, hieß es in der Studie. Zugleich habe es in dem Jahrzehnt aber einen Bevölkerungszuwachs um 200 Millionen Menschen in Malariagebieten gegeben. Die internationale Unterstützung im Kampf gegen Malaria müsse daher fortgesetzt werden.
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) konnten durch den Kampf gegen die Malaria seit 2000 weltweit 3,3 Millionen Menschenleben gerettet werden. Der durch Steckmücken übertragene Erreger tötete aber im vergangenen Jahr noch knapp 630.000 Menschen - vor allem Kinder in Afrika und Südostasien.

Gottesmann und Beschützer der Sklaven

http://m.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.rottweil-gottesmann-und-beschuetzer-der-sklaven.198f0a17-23f9-4726-8f78-ee6b2933fce5.html

Rottweil

Gottesmann und Beschützer der Sklaven

von Schwarzwälder-Bote

Von Peter Schönfelder Rottweil. Missionar und Kämpfer gegen die Sklaverei, fähiger Verwalter und tiefgläubiger Christ. Als Afrika noch wild und unerforscht war, aber die europäischen Kolonialmächte dort um die Vorherrschaft konkurrierten, machte sich Wilhelm Banholzer auf, das Wort Gottes zu verbreiten und den zahllosen Sklaven Schwarzafrikas zu helfen.
Am heutigen Freitag vor 100 Jahren starb der gebürtige Rottweiler im Sudan an der Malaria.
Banholzer, 1873 geboren, stammte aus einer angesehenen Familie von Rottweiler Goldschmieden. Sein Vater saß sogar im Stadtrat. Der überdurchschnittlich begabte Junge besuchte das Gymnasium seiner Heimatstadt. Als er von einer längeren Ferienreise zurückkehrte, eröffnete er seiner Familie, dass er Priester zu werden gedenke.
Während seines Studiums in Innsbruck wurde Banholzer von einem Professor auf eine junge Missionskongregation aufmerksam gemacht, die Daniele Comboni kurz zuvor in Verona gegründet hatte. Bei den Söhnen des Heiligen Herzens Jesu fand er die Bestimmung seines Lebens, und bald war er entschlossen, auf Mission nach Zentralafrika zu gehen.
Er beendete sein Studium in Verona und schiffte sich nach Ägypten ein. Am 19. Dezember 1897 wurde er, gerade zwei Jahre im Land am Nil, zum Priester geweiht.
Es war damals eine gefährliche Zeit, die Zeit der großen Afrikaforscher Stanley und Livingstone. Die Engländer hatten gerade erst unter großen Verlusten im Sudan über den Mahdi gesiegt. Banholzer war einer der ersten Europäer, die sich dorthin wagten. Ein Wagnis in zweierlei Hinsicht, denn im Südsudan herrschte die Malaria, die viele Opfer auch unter den Europäern forderte.
Zunächst jedoch blieb er in Omdurman im Gebiet der Briten nahe der Hauptstadt Khartum, bis ihn Bischof Antonio Roveggio nilaufwärts mitnahm und ihn zum Leiter der kürzlich gegründeten Missionsstation Lul, in der Nähe des heutigen Malakal, machte. Die Station lag im Siedlungsgebiet der Schilluk, einer der größeren Volksgruppen im Südsudan. Banholzer erlebte tagtäglich das Schicksal der Sklaven, das, im Gegensatz zur arabischen Oberschicht, meist die Schwarzafrikaner traf. Er wurde zu einem Vorkämpfer gegen die Sklaverei. Mehrmals bot er geflohenen Sklaven in der Mission seinen Schutz. Außerdem nahm er Kontakt zu Vereinen auf, die in Deutschland Geld sammelten, um Sklaven freizukaufen.
In der einheimischen Bevölkerung hat Banholzer, so steht es in einem Buch von Reinhold Baumann über die deutschsprachigen Comboni-Missionare, hohes Ansehen und großes Vertrauen genossen. Er lernte die Sprache der Schilluk, die er bald ausgezeichnet beherrschte, und erforschte ihre Sitten und Gebräuche.
Als Missionar war er deshalb außerordentlich erfolgreich und ein anerkannter Fachmann, wenn es um Sprache, Lebensweise und Bräuche der Schilluk ging.
Als Bischof Roveggio starb, gab es noch keinen Nachfolger. Banholzer übernahm deshalb für fast zwei Jahre das schwierige Amt des Apostolischen Administrators des Vikariats von Khartum. Aber Wilhelm Banholzer ereilte das Schicksal vieler Europäer. Er steckte sich mit der Malaria an, und nur 41-jährig starb er vor genau 100 Jahren in Kodok unweit der Station in Lul an der heimtückischen Krankheit.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Mit Geld gegen Malaria

http://www.sueddeutsche.de/wissen/infektionskrankheit-mit-geld-gegen-malaria-1.1893549

InfektionskrankheitMit Geld gegen Malaria

 

Ein Mückennetz bietet wichtigen Schutz vor einer Malariainfektion. 

(Foto: dpa)
Immer mehr Geld pumpen Organisationen in den Kampf gegen Malaria. Doch bringen die Maßnahmen auch etwas gegen die Infektionskrankheit?
Von Katrin Blawat
Fast zwei Milliarden Dollar wurden im vergangenen Jahr investiert, um Malaria zu bekämpfen. Das ist weit mehr, als noch im Jahr 2000 für die Eindämmung der Tropenkrankheit ausgegeben wurde - damals waren es etwa 100 Millionen Dollar. Doch haben die hohen Summen auch tatsächlich die Infektionszahlen sinken lassen?
Wie ein Team um Abdisalan Noor vom Kenya Medical Research Institute in der aktuellen Online-Ausgabe des Lancet berichtet, fällt die Bilanz gemischt aus. So ist der Anteil der infizierten Kinder zwischen den Jahren 2000 und 2010 zwar in40 von 44 Ländern Afrikas gesunken. Ungewöhnlich gut stehen zum Beispiel Eritrea, Südafrika, Äthiopien, Swasiland und Djibuti da. Dort tragen der Studie zufolge weniger als ein Prozent der Kinder zwischen zwei und zehn Jahren den Erreger in sich.

Ernüchternde Fortschritte

In diesen Ländern sei die Ausrottung der Krankheit in den kommenden Jahren ein realistisches Ziel, schreiben Brian Greenwood und Kwadwo Koram von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in einem begleitenden Kommentar. "Ernüchternd" nennen sie es hingegen, dass die Infektionsraten in den meisten anderen Ländern südlich der Sahara - wo Malaria ein besonders großes Problem darstellt - nur in mittlerem Ausmaß gesunken seien.
Noch immer ist mehr als die Hälfte aller Afrikaner einem mittleren bis hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Dies liegt zum Teil auch daran, dass die Bevölkerung um insgesamt 200Millionen in jenen Ländern gestiegen ist, in denen Malaria weit verbreitet ist.Wie viele Menschen infiziert sind oder an der Krankheit sterben, lässt sich in Ländern mit schlechter Infrastruktur jedoch nur schwer ermitteln. Häufig beruhen die Daten auf Befragungen, was zu ungenauen Angaben führt, weil zum Beispiel auch andere Erkrankungen als Malaria wahrgenommen werden. Noor und seine Kollegen hingegen nutzten für ihre Studie Daten von Labortests von mehr als 3,5 Millionen Patienten, die seit 1980 gesammelt wurden.

Montag, 17. Februar 2014

Die vergessene Malaria- Mit Parasiten gegen Syphilis

http://www.tagesspiegel.de/wissen/tueckischer-parasit-die-vergessene-malaria/9484224.html

Tückischer ParasitDie vergessene Malaria

14.02.2014 15:01 UhrVon Gretchen Vogel


Überträger. Eine Mücke sticht in die Haut. Mit ihrem Speichel gelangen die Erreger in die Blutbahn des Menschen. Foto: SINCLAIR STAMMERS/SCIENCE PHOTOBild vergrößern
Überträger. Eine Mücke sticht in die Haut. Mit ihrem Speichel gelangen die Erreger in die Blutbahn des Menschen. - FOTO: SINCLAIR STAMMERS/SCIENCE PHOTO
Um Malaria zu besiegen, muss auch der Parasit Plasmodium vivax bekämpft werden. Doch Forscher wissen wenig über den Erreger. Dabei wurde er einst sogar als Medizin genutzt.
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Er hat englische Könige ebenso geplagt wie acht US-Präsidenten, darunter George Washington und Abraham Lincoln. Er verursacht Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen und er kann Monate oder Jahre nach einer vermeintlichen Heilung zurückkehren, um den Zyklus des Elends von Neuem zu beginnen. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung, vor allem in Asien und Lateinamerika, ist durch ihn gefährdet. Trotzdem hat fast niemand jemals von diesem Parasiten gehört.
Die Rede ist von Plasmodium vivax, einer von fünf Plasmodium-Arten, die Menschen infizieren und Malaria verursachen.
Wenn Forscher über Malaria sprechen, meinen sie in aller Regel eine andere Art: den Parasiten Plasmodium falciparum.
Dieser verursacht beim Menschen Malaria tropica, eine Krankheit, die jedes Jahr mehr als 650 000 Menschen tötet – über 90 Prozent der Malariatoten weltweit. Die Wissenschaft hat sich auf diese „bösartige“ Malaria konzentriert. Die von Plasmodium vivax ausgelöste Malaria tertiana galt dagegen lange als „gutartige“ Form der Tropenkrankheit. Sie wurde kaum beachtet.
Das ändert sich langsam. Bei der weltweiten Bekämpfung der Malaria gibt es erste Erfolge. Bettnetze und neue Medikamente lassen die Zahl der Malariaerkrankungen insgesamt sinken. Doch weil einige der üblichen Mittel gegen Malaria bei Plasmodium vivax nicht helfen, steigt der Anteil der Malaria tertiana. Obwohl diese Krankheit weniger Menschen tötet, ist sie keineswegs harmlos. „Früher hieß es: Malaria tertiana bringt dich nicht um. Aber du fühlst dich so“, sagt Robert Newman, Chef des Malariaprogramms der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Malariaerreger plagen die Menschen seit Jahrtausenden

In ihrem Strategiepapier zum Kampf gegen Malaria, das 2015 erscheinen soll, wird die WHO erstmals einen eigenen Plan entwickeln, um gegen P. vivax vorzugehen. Strategien gegen den Parasiten seien entscheidend, um Malaria zu besiegen, sagt Richard Feachem, der an der Universität von Kalifornien in San Francisco forscht: „Die letzte Schlacht gegen Malaria ist eine Schlacht gegen Vivax.“
Malariaerreger plagen den Menschen seit Jahrtausenden. Dabei gehen sie stets nach dem gleichen Muster vor: Wird ein Mensch von einer infizierten Mücke gestochen, gelangen die winzigen Einzeller direkt vom Speichel der Tiere in die menschliche Blutbahn. Sie wandern zur Leber, dringen dort in Zellen ein und beginnen, sich zu vermehren. Tage oder Wochen später bersten tausende Nachkommen gleichzeitig aus den Leberzellen, überschwemmen das Blut und verursachen so einen Fieberschub. Im Blut kapern die Eindringlinge nun rote Blutkörperchen und wiederholen das Programm: vermehren, aus den Zellen ausbrechen, neue Zellen infizieren. Zugleich verwandeln sich einige der winzigen Einzeller in eine Geschlechtsform, die von Mücken wieder aufgenommen wird, wenn sie einen Malariapatienten stechen. In den Mücken paaren sich männliche und weibliche Geschlechtsformen und bilden Nachkommen, die in die Speicheldrüse der Mücke wandern.
In mancher Hinsicht ist P. vivax noch besser an seinen menschlichen Wirt angepasst als P. falciparum. So bildet sich die Geschlechtsform des Parasiten bereits im Blut, ehe infizierte Menschen Symptome zeigen. Das bedeutet, dass die Behandlung von Patienten einen Ausbruch nicht so leicht stoppen kann wie bei P. falciparum, wo die Geschlechtsformen im Blut zeitgleich mit dem Fieber auftreten. Und wenn die Symptome von P. vivax einsetzen, schwächen sie den Patienten zwar, sind in der Regel aber nicht tödlich, so dass sich der Parasit weiter fortpflanzen kann.

Über die Krankheit ist kaum etwas bekannt

Außerdem kann sich P. vivax in der Leber verstecken. Dann verursacht der Parasit keine Symptome und ist im Blut nicht nachweisbar, taucht aber Wochen oder Monate später wieder auf. Die immer wiederkehrenden Episoden können Blutarmut verursachen, besonders bei Kindern. Ein einziger Stich kann zu sechs oder mehr Rückfällen im Jahr führen. Jeder schwächt die Patienten und ebnet den Weg für weitere Krankheiten. Weil die Patienten nicht arbeiten können, drohen Armut und Mangelernährung. „Falciparum tötet schnell, Vivax tötet langsam“, sagt Malaria-Forscher Ric Preis von der Universität Oxford in Großbritannien.
Allmählich schenken Forscher der Malaria tertiana mehr Aufmerksamkeit. Sie stellen fest, dass kaum etwas über die Krankheit bekannt ist. Ein großer Teil der Forschung ist mehr als 50 Jahre alt. Damals war der Parasit noch in Nordamerika und Nordeuropa heimisch. Zwischen den 1920ern und 1940ern wurde P. vivax außerdem als radikale Therapie gegen Syphilis eingesetzt. „Die Malaria tertiana ist eine der wenigen Krankheiten, über die wir in den vergangenen Jahren mehr vergessen haben, als wir gelernt haben“, sagt Nick White, Tropenmediziner an der Universität Oxford. Obwohl Wissenschaftler schon in den 70er Jahren herausgefunden haben, wie man P. falciparum im Labor züchten kann, gibt es bis heute keine Möglichkeit, den Parasiten länger als ein paar Wochen zu kultivieren.

Kaum zuverlässige Zahlen

Hinzu kommt, dass es kaum zuverlässige Zahlen zur Malaria tertiana gibt. Malariafälle sind notorisch schwer zu zählen. Schließlich tritt die Krankheit überwiegend in Regionen auf, deren Gesundheitssystem unzureichend ist. Und nicht alle diagnostischen Tests können unterscheiden, ob ein Patient an Malaria tertiana oder Malaria tropica leidet. Das Malaria-Atlas-Projekt schätzt, dass 2,5 Milliarden Menschen in Gegenden leben, wo der Parasit vorkommt und wo Moskitos ihn übertragen können. Das betrifft vor allem Asien und Lateinamerika. In den USA und Europa verschwand der Erreger mit steigendem Wohlstand. Im südlichen Afrika hat der Erreger ebenfalls kaum eine Chance. Vielen Menschen dort fehlt ein Eiweiß namens Duffy-Antigen, das sonst auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen sitzt und nötig ist, damit P. vivax in die Zellen eindringen kann.
P. vivax wird von 71 Moskitoarten übertragen, weit mehr Arten als bei P. falciparum. Weil manche dieser Tiere auch im Freien und während des Tages stechen, helfen Bettnetze und das Sprühen von Insektiziden im Wohnraum wenig. P. vivax lässt sich zwar mit Medikamenten behandeln, doch die meisten Mittel sind machtlos gegen den übelsten Trick des Parasiten: seine Fähigkeit, in der Leber zu überdauern. P. vivax kann in der Leber Hypnozoiten bilden, winzige Stadien, die sich in Leberzellen Wochen, Monate oder Jahre verstecken, bis die Bedingungen günstig sind. Kein Bluttest findet die winzigen Parasiten.

Ein neues Medikament wird getestet

Die einfachste Strategie zur Ausrottung von P. vivax in einer Region wäre, die gesamte Bevölkerung mit einem Medikament zu behandeln, das den schlafenden Erreger töten kann. So ein Mittel gibt es: Primaquin, entwickelt in den 40er und frühen 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Das Medikament hat zwei große Nachteile. Es muss 14 Tage lang eingenommen werden – viel verlangt von Menschen, die sich nicht krank fühlen. Und bei Menschen mit einem angeborenen Mangel an dem Enzym G6PD führt das Medikament dazu, dass die roten Blutkörperchen aufplatzen. In schweren Fällen kann das tödlich sein. Es gibt keinen einfachen, billigen Test für diese genetische Variante. Wer massenhaft Menschen behandelt, nimmt also bei einigen schwere Nebenwirkungen in Kauf. Hinzu kommt, dass Menschen mit G6PD-Mangel weniger anfällig für Malaria tertiana sind. Deshalb ist die Eigenschaft in Gegenden, in denen der Parasit vorkommt, häufiger.
Forscher hoffen nun auf ein neues Medikament namens Tafenoquin. Im November wurden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt. 113 Patienten in Brasilien, Indien, Thailand und Peru wurden mit 300 oder 600 Milligramm des Medikaments behandelt, 90 Prozent von ihnen hatten in den folgenden sechs Monaten keinen Rückfall. Der wichtigste Vorteil von Tafenoquin: Statt einer 14-tägigen Behandlung ist nur eine einzige Tablette nötig. Eine Phase-III-Studie, der letzte Schritt bevor ein Medikament zugelassen werden kann, soll noch in diesem Jahr beginnen.
Chemisch ähnelt Tafenoquin dem alten Primaquin, und es verursacht die gleichen Nebenwirkungen bei Menschen mit G6PD-Mangel. Die Zulassung des Medikaments wird daher wohl an einen Test gekoppelt werden, der den G6PD-Mangel anzeigt. Das könnte den Einsatz des Mittels in manchen Regionen zwar einschränken. Trotzdem sei es ein riesiger Fortschritt, sagt Newman: „Tafenoquin kann eine Menge Probleme lösen.“

Die Forscher sind optimistisch

Und Forscher suchen bereits nach anderen Wirkstoffen gegen Hypnozoiten. 2008 wurde das Erbgut von P. vivax erstmals sequenziert. Das erlaubt es Wissenschaftlern, die Schwachpunkte des Parasiten zu finden. Tiermodelle und neue Methoden, den Parasiten im Labor zu züchten, helfen Forschern ebenfalls bei der Suche nach Stoffen, die die Leberstadien des Parasiten bekämpfen können.
Sangeeta Bhatia vom Massachusetts Institute of Technology bei Boston ist es gelungen, im Labor eine Art Mini-Leber zu züchten: Leberzellen, die zusammen mit Stützzellen wachsen und vier bis sechs Wochen im Labor überleben. Im Juli 2013 beschrieben Bhatia und ihre Kollegen im Fachblatt „Cell Host & Microbe“, wie sie darin Leberstadien von P. vivax und P. falciparum züchten konnten. Dabei sahen die Forscher auch kleinste Formen des Parasiten. Noch ist nicht klar, ob es sich wirklich um Hypnozoiten handelt, aber Bhatia und andere Forscher sind optimistisch.
Trotz der Herausforderungen sei er zuversichtlich, dass P. vivax auch in tropischen Regionen besiegt werden kann, sagt Feachem. Schließlich sei das auch Taiwan, Singapur und den Malediven gelungen. Vor hundert Jahren war Malaria „eine weltweite Krankheit. Sie war in jedem Land heimisch, sogar in den Regionen nördlich des Polarkreises“, sagt er. Inzwischen hätten mehr als 100 Länder Malaria eliminiert. Sie alle haben auch P. vivax besiegt. Viele dieser Siege seien zwar eng mit wirtschaftlichem Fortschritt verknüpft gewesen, sagt Feachem. „Aber wir haben diesen Krieg in den vergangenen hundert Jahren hundert Mal gewonnen.“
Gretchen Vogel arbeitet in Berlin als Korrespondentin für das Magazin „Science“. Der Text wurde von Kai Kupferschmidt aus dem Englischen übersetzt.


Malaria als MedizinMit Parasiten gegen Syphilis

14.02.2014 15:05 UhrVon Gretchen Vogel
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In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts drohte Menschen mit Neurosyphilis ein grausamer Tod. Bei diesen Patienten hatte das Syphilisbakterium das Nervensystem angegriffen. Sie entwickelten Wahnvorstellungen, litten unter Demenz und fortschreitender Lähmung. Ein Heilmittel gab es nicht.
Ärzte besannen sich auf eine Theorie, die im späten 19. Jahrhundert weit verbreitet war: dass ein hohes Fieber psychische Erkrankungen heilen könne. Der österreichische Psychiater Julius Wagner-Jauregg war ein Befürworter dieser Theorie. 1917 wurde ein Soldat, der im Balkan gekämpft und sich dort mit Malaria infiziert hatte, in seine Klinik eingewiesen.
Jauregg nahm ihm Blut ab und behandelte damit neun Patienten mit Neurosyphilis. Sechs von ihnen ging es bald besser. Die Malariatherapie wurde in Europa und den USA als Wunderheilung gefeiert. Bevor 1940 Penicillin seinen Siegeszug antrat, infizierten Ärzte zehntausende Syphilispatienten mit Malariaerregern, meist P. vivax. Etwa der Hälfte der Patienten half die Therapie, auch wenn bis heute unklar ist wie genau. Jauregg erhielt für seine Entdeckung 1927 den Medizin-Nobelpreis.
Der medizinische Einsatz von P. vivax habe vermutlich dazu beigetragen, dass die Krankheit, die der Parasit verursacht, später kaum ernst genommen wurde, sagt Kevin Baird von der Eijkman Oxford Clinical Research Unit in Jakarta. Weil Ärzte Vivax als Heilmittel einsetzten, nahmen viele Menschen an, der Erreger müsse relativ harmlos sein. Das war ein Trugschluss. Die Therapie rettete zwar manche Menschen, sagt Baird. Aber sie tötete auch bis zu 15 Prozent der Patienten, obwohl die Infektion von Ärzten überwacht und behandelt wurde.